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Regina Sehnert betreibt das Yasni-Café. Zwischen virtuellen Getränken und Sahneschnittchen vom Infostand wollte sie das eine oder andere von mir wissen. Fragen immer Willkommen: hier entlang.
Liebe Sandra, welches Erlebnis in letzter Zeit hat dich besonders getroffen?Sandra Wöhe: Gegen die großen Sachen bin ich gewappnet. Aber die kleinen Dinge, die ziehen mir regelmäßig die Schuhe aus. Da verliere ich doch glatt gegen meinen vierjährigen Neffen beim Spielen, und das nur, weil ich die englische Anleitung nicht richtig verstanden habe! Das kann so nicht bleiben, habe ich mir geschworen. Im nächsten Mai mache ich einen Sprachkurs, in Oxford, damit es nachher auch richtig gut klingt. Und nachmittags hört der kleine Mann mir die Vokabeln ab.
Wie wirst du von deinen Freundinnen und Freunden gesehen? Sandra Wöhe: „Du bist eine Wundertüte“, sagt mir eine Freundin, die mich seit einem halben Jahrhundert begleitet. Ich zucke mit den Achseln. Manchmal überrasche ich mich selbst. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass ich im Grunde Vegetarierin bin. Dabei ist das schon seit sechs Wochen so.
Möchtest du uns etwas über dein liebstes Hobby erzählen? Sandra Wöhe: Aber gerne. Maestro, ich wäre dann so weit. Mikro ein, Music on, Volume high. Ich singe. Und wie. Strahlend schief, fröhlich falsch und leidenschaftlich laut. Meine Nachbarin liebt es. Bis jetzt jedenfalls. Nächste Woche kommt ihr Hörgerät aus der Reparatur.Kannst du dich an dein allererstes Buch erinnern, das du gelesen hast?Sandra Wöhe: Sieben war ich. Diese blöde Lungenentzündung. Und meine Sommersprossen waren weg. Die konnten nur beim Kleinen Onkel sein. Ja, genau, bei dem Pferd von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Das hatte sie mir zurückzugeben, meine Sommersprossen. Aber zackich! Auch ein Schimmel darf nicht stehlen. Wo kämen wir denn sonst hin?Wann hast du eigentlich mit dem Schreiben begonnen?Sandra Wöhe: Im Grunde habe ich mit dem Schreiben noch gar nicht angefangen. Nach drei Romanen, ungezählten Kurzgeschichten und noch mehr Kolumnen bin ich leider immer noch zu feige, Buchstaben, Wörter und Sätze so zu setzen, wie es richtiger wäre. Oder eine Geschichte zu brechen, einfach so, ohne auf die Glaubwürdigkeit Rücksicht zu nehmen. Mein Schreiben will anderen gefallen. Immer noch. Leider.
Wie sieht dein Traumjob aus?Sandra Wöhe: Uralte Manuskripte in einer Klosterbibliothek restaurieren. Zeitzeugnisse der US Library of Congress digitalisieren. Die Lebensmitteleinkäufe des Vatikans studieren. Wöhe, Sandra Wöhe. Mit der Lizenz zur Neugier. Was willst du im Leben noch erreichen?Sandra Wöhe: Ab dem nächsten Jahr werde ich mich an der Zürcher Hochschule der Künste mit Cultural Media Studies beschäftigen. Das Studium wird mich unweigerlich verändern, mich, meine Sprache, mein Schreiben, mein Sein. Aber wer mit Doris Day im Ohr aufgewachsen ist, dem kann nichts passieren. Que sera, sera, whatever will be, will be.
Erzähle etwas über deine Bücher!Sandra Wöhe: „Lass mich deine Pizza sein“ spielt mit lesbischen Klischees und heterosexuellen Stereotypen. Beim Schreiben habe ich mich köstlich amüsiert. Vor lauter Lachen gab es Bauchmuskelkater. „Giraffe im Nadelöhr“? Ich fand es reizend und reizvoll, einen Roman über erotische Sinnlichkeit zu schreiben. Er wurde ein Bestseller. Für Kopf und Bauch.„Die indonesischen Schwestern“ habe ich aus Wut geschrieben. Die Leute lügen doch, wenn sie behaupten, Rassismus trifft dich nur, wenn du kein Deutsch lernst. Nun ja. Ein wenig Humor entlarvt jeden Unsinn.
Welches deiner Bücher liebst du am meisten?Sandra Wöhe: Was ich am meisten liebe, ist nicht der gedruckte Roman, sondern die Vorarbeit, das Manuskript. Solange eine Geschichte nicht veröffentlicht ist, kann ich sie ganz nach Lust und Laune umwerfen und gestalten. Sie gehört mir. Mir ganz alleine. Noch.
Dein Lieblingsspruch? Sandra Wöhe: Autorinnen lügen, sagt die Autorin.
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